Das Vorstellungsgespräch

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Wer es ins Vorstellungsgespräch schafft, hat die größte Hürde des Bewerbungsprozesses bereits gemeistert. Umso ärgerlicher ist es, wenn das Jobinterview durch mangelnde Vorbereitung zur Pleite wird.

Was entscheidet im Vorstellungsgespräch über Ihren Erfolg und Misserfolg? Welche Schwachstellen können Sie ins "Aus" befördern? Wie können Sie Ihr Bewerberverhalten anpassen? Welche Fragen können auf Sie zukommen? Wie reagieren Sie darauf? Diese und viele weitere Punkte sind Fragen, die Sie sich vor dem Bewerbungsgespräch stellen müssen.

Mit der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, haben Sie praktisch den "Fuß in der Tür". Jetzt haben Sie die Chance, sich persönlich zu präsentieren. Oder anders formuliert, jetzt können Sie sich verkaufen. Je besser Sie das machen, umso wahrscheinlicher ist der Erfolg, d. h. Sie bekommen die gewünschte Stelle auch.

Wenn Sie eine schriftliche Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten haben, bestätigen Sie als erstes den Termin (ggf. per E-Mail).

1. Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch:

Informieren Sie sich! Versorgen Sie sich mit Informationen zum Unternehmen wie z. B. Anzahl der Mitarbeiter, Geschäftsfelder, Wettbewerber, aktuelles aus der Presse. Informationen liefert u. a. der Geschäftsbericht aber auch die Website des Unternehmens. Auch Fachzeitschriften stellen gute Informationsquellen dar.

Bereiten Sie Fragen vor! Mit konkreten Fragen zeigen Sie Interesse und haben die Möglichkeit das Gespräch aktiv mit zu gestalten. Sie sollten jedoch keine allgemeinen Fragen zum Unternehmen stellen, denn das würde bedeuten, dass Sie sich nicht informiert haben.

Kennen Sie ihre eigenen Unterlagen?
Sie können sich auf Grund mangelnder Kenntnisse der eigenen Unterlagen im Vorstellungsgespräch ziemlich blamieren und unglaubwürdig erscheinen. Daher sollten Sie sich vorher noch einmal detailliert mit all Ihren Angaben (Lebenslauf, Anschreiben) auseinandersetzen.

Pünktlichkeit ist eine Tugend!
Planen Sie Ihre Anreise! Und das am besten so detailliert wie möglich. Denken Sie bei der Zeitplanung an Verzögerungen durch Staus, Parkplatzsuche, lange Wege auf dem Firmengelände, Witterungsumstände, Streiks im Nah- und Fernverkehr, u.v.m.

Ansprechpartner kennen!
Kennen Sie den Namen Ihres Gesprächspartners? Nehmen Sie das Einladungsschreiben (falls vorhanden), die Stellenanzeige, Kopie Ihrer Bewerbung und ggf. ergänzende Unterlagen, die Ihrer Bewerbung bisher nicht beigefügt waren - wie beispielsweise Leistungsnachweise – mit zum Gespräch.
Schreiben Sie im Gespräch unbedingt wichtige Informationen mit und machen Sie sich Notizen! "Wer schreibt, der bleibt!" Es zeigt Ihre Wertschätzung dem Gesprächspartner gegenüber und sie können Ihre Aufzeichnungen als Protokoll verwenden.

Werden Sie zum 2. Vorstellungsgespräch eingeladen, können Sie auf diese Aufzeichnungen zurückgreifen.

Gehaltsverhandlungen:
Überlegen Sie sich, wie viel Sie als Gehalt fordern wollen, falls das Gespräch darauf kommt und vor allem dann, wenn Sie im Vorfeld in Ihrer Bewerbung eine Gehaltsforderung angegeben haben. Verhandelt wird immer die Bruttosumme als Jahresgehalt oder als Monatsgehalt. Nettogehälter sind keine Verhandlungsgrundlage für den Arbeitgeber. Bei fixen Gehaltsvorgaben im Unternehmen können Sie versuchen, Zusatz-/Nebenleistungen (Weiterbildung etc.) auszuhandeln.

Überlegen Sie sich, welche Kleidung angemessen ist. Der Dresscode richtet sich nach der angestrebten Position und den Umgangsformen im Unternehmen. Dennoch – denken Sie daran, dass Sie Ihre Kompetenz verkaufen und Vertrauen schaffen wollen. Überlegen Sie sich, was Sie wohl erwarten würden, wenn Sie die Stelle zu besetzen hätten. Vermeiden Sie aber in jedem Fall auffälligen Schmuck, zu „gewagte“ Kleidung und dosieren Sie Ihr Parfüm und Make-up dezent.

Wenn Sie dann gut vorbereitet sind, kann der Vorstellungstermin kommen. Die Anzahl der Gesprächsteilnehmer seitens des Unternehmens an einem Bewerbungsgespräch kann ganz unterschiedlich sein. Ggf. treffen Sie auf nur eine Person. Das ist i. d. R. der Personalverantwortliche. Darüber hinaus können die Fachbereichsleitung und evtl. noch weitere Personen mit anwesend sein. Je mehr Teilnehmer eine solche Runde hat, um so „unangenehmer“ kann das Gefühl für Sie sein. Lassen Sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Atmen Sie tief durch, konzentrieren Sie sich auf das, was Sie vorbereitet haben und denken Sie daran: Immerhin hat man Sie eingeladen, weil man Interesse an Ihrer Person hat!

2. Fragestellungen, die auf Sie zukommen können

Bei einem Vorstellungsgespräch könnten je nach Ihrer beruflichen Vorgeschichte beispielsweise folgende Fragen auf Sie zukommen:

  • Nennen Sie uns Ihre wichtigsten Erfolge.
  • Erzählen Sie uns etwas über Ihre Stärken/Schwächen.
  • Was würden Sie an Ihrem bisherigen Leben anders machen, wenn Sie es ändern könnten?
  • Was war die schwierigste Entscheidung, die Sie je treffen mussten?
  • Welche Tätigkeiten mögen Sie nicht?
  • Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
  • Können Sie unter Termindruck arbeiten? Wie reagieren Sie auf Stress?
  • Welches sind bisher die wichtigsten Stationen in Ihrem Berufsleben?
  • Nennen Sie Ihre bedeutsamsten beruflichen Fehler.
  • Warum haben Sie sich bisher noch nicht selbständig gemacht?
  • Wie wollen Sie sich persönlich und beruflich weiterentwickeln?
  • Wie lösen Sie Konflikte im Team?
  • Was lesen Sie um sich weiterzubilden?
  • Wo wollen Sie in fünf Jahren sein?
  • Warum haben Sie sich bei uns beworben?
  • Was wissen Sie über unser Unternehmen?
  • Warum sollen wir Sie einstellen? Nennen Sie mir drei Gründe.
  • Gibt es auch Gründe, warum wir Sie nicht nehmen sollten?
  • Warum glauben Sie, passt die neue Stelle in Ihr bisheriges Jobprofil?
  • Was versprechen Sie sich von der angebotenen Position?
  • Was muss Ihr Vorgesetzter tun, um Sie zu Höchstleistungen anzuspornen?
  • Glauben Sie nicht, Sie wären in einer Firma anderer Größenordnung/Ausrichtung besser aufgehoben? In einem anderen Unternehmenstyp?
  • Was tun Sie zuerst, wenn Sie bei uns anfangen?
  • Was würden Sie gerne verdienen?
  • Was kritisiert Ihr heutiger/ehemaliger Chef an Ihnen?
  • Warum wollen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen/warum haben Sie Ihren letzten Arbeitgeber verlassen?
  • Angenommen, ich rede mit Ihrem (ehemaligen) Vorgesetzten, was würde er als Ihre Stärken und Schwächen bezeichnen?
  • Welche Probleme, die zuvor keinem aufgefallen waren, konnten Sie in Ihrer jetzigen/ehemaligen Stelle ausmachen?

Können Sie auf Fragen zu Erfolgen, persönlichen Stärken und Schwächen oder zur Motivation keine Antworten geben, werden Sie als schlecht vorbereitet und/oder als unqualifiziert abgestempelt. Ebenso sollten Sie in der Lage sein, sich und Ihren Werdegang flüssig und strukturiert zu präsentieren. Das bedeutet nicht, dass Sie nur die Fakten aus Ihrem Leben aufzählen!

Deshalb gilt:
Erscheinen Sie niemals unvorbereitet zum Bewerbungsgespräch! Kritische Situationen können Sie souverän meistern, wenn Sie sich im Vorfeld auf unangenehme Nachfragen eingestellt und mögliche Antworten parat haben. Mit der richtigen Vorbereitung meistern Sie auch solche Gespräche.

3. Fragen, die Sie stellen könnten

Zeigen Sie Interesse am Unternehmen indem Sie im Vorstellungsgespräch Fragen zum potenziellen Arbeitgeber stellen, wie z. B.:

  • Fragen zur Position, besonderen Anforderungen, Berichtswege und Stellenbeschreibung.
  • Fragen zur konkreten Einarbeitung im Unternehmen.
  • Fragen zu Ihrem Vorgänger, dem Grund seines Wechsels oder Dauer seines Verbleibs.
  • Fragen zum Führungssystem und Zielvereinbarung

Achtung:
Fragen von Ihrer Seite zu Gehalt, Prämien, Urlaub, Überstunden, Weiterbildungen (vor allem die, die das Unternehmen finanziert) sowie sonstige monetäre Leistungen sind im Rahmen des ersten Vorstellungsgespräches nicht angebracht! Sie können dies jedoch aufgreifen, wenn der Interviewer darauf zu sprechen kommt.

4. Verhalten und Körpersprache

Beachten Sie während eines Vorstellungstermins folgende grundlegenden Regeln:

  • Hören Sie aktiv zu. Unterbrechen Sie Ihren Gesprächspartner nicht!
  • Gehen Sie auf die Antworten Ihres Gesprächspartners ein.
  • Antworten Sie mit angepasster Stimm- und Tonlage.
  • Drücken Sie sich mit passenden Worten aus. Vermeiden Sie Sätze wie „Sag ich mal...“ oder „ das war´s soweit...“ oder Worte wie „man“, „eigentlich“.
  • Fragen Sie, ob Sie sich Notizen machen dürfen (i. d. R. wird dies auch der Interviewer tun). Fügen Sie ggf. neue Fragen in Ihre vorbereitete Frageliste ein.
  • Treten Sie selbstsicher (aber nicht arrogant) auf. Achten Sie auf Ihre Körpersprache.
  • Halten Sie Blickkontakt zu allen Gesprächspartnern. Vermeiden Sie es jedoch, diese anzustarren.

Halten Sie Ihre Hände und Füße ruhig. Wenn Sie Aktionismus verspüren, schreiben Sie irgendetwas auf, vielleicht etwas, das Sie gerade sehen.
Es kann durchaus Sinn machen, sich mit Hilfe eines Seminars im Vorfeld auf ein Bewerbungsgespräch vorzubereiten. Hilfreich und sinnvoll sind Seminare mit den Schwerpunkten Kommunikation und Präsentation. Das könnte dann sinnvoll sein, wenn Sie sich selbst eher nicht als jemanden einschätzen, der sich nicht gut verkaufen kann oder Hemmungen hat, sich vor einer Gruppe zu präsentieren.

Hinweis: Seminare mit diesen Inhalten werden u. a. von der BSA-Akademie angeboten. Auch private Trainer oder Institutionen wie die IHK bieten solche Vorbereitungen an.

Der Abschluss des Vorstellungsgesprächs
Nehmen Sie sich genügend Zeit für das Gespräch. Es sollte Ihnen auf keinen Fall passieren, das Vorstellungsgespräch beenden zu müssen, weil Sie noch einen anderen Termin haben oder Ihr Zug fährt. Geben Sie ein positives Feedback zu dem Gespräch und bekunden Sie Ihr Interesse an der Stelle. Fragen Sie nach einem Feedback zu Ihrer Person und dem Gesprächsverlauf. Klären Sie, falls es der Interviewer nicht macht, wie der weitere Verlauf sein wird: Wer wird sich z. B. mit wem und wann in Verbindung setzen?

Achtung - der Columbo-Effekt:
Das Vorstellungsgespräch ist für Sie erst zu Ende, wenn Sie alleine vor dem Gebäude stehen. Bleiben Sie beim Verlassen des Meetingraumes konzentriert und auf weitere Fragen vorbereitet. Auf dem Weg zur Tür ist schon so manch ein Bewerber mit einer s. g. „Columbo-Frage“ aufs Glatteis geführt worden.

Kennen Sie Inspektor Columbo?
Der Columbo-Trick funktioniert tatsächlich! Nachdem Columbo alle Fragen gestellt hat, der vermeintliche Täter alle Antworten gut verkauft hat, geht der Inspektor. Aber Halt – im Herausgehen der Griff an die Stirn, der nachdenkliche Blick: «Ich hätte da noch eine Frage!». In diesem Moment ist der „Täter“ enttarnt, die Wahrheit oder die wegweisende Erkenntnis kommt zu Tage – der Fall ist gelöst. Aber wieso ist diese letzte Frage so mächtig?
Sobald Columbo dem „Täter“ den Rücken zudreht und gehen will, entspannt sich der „Lügenbold“ - endlich geschafft, weg ist er… puh! Und mit der Erleichterung kommt die finale Frage – die Deckung ist unten, die Konzentration weg!
Halten Sie die „Deckung hoch“ und bleiben konzentriert, auch wenn der Gesprächspartner das Ende des Gesprächs signalisiert hat und Sie „nur“ noch zur Tür bringt!

Fazit: Der 1. Eindruck zählt - der letzte Eindruck bleibt im Gedächtnis!!